Warum habe ich so oft Probleme mit dem Einschlafen, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag früh aufstehen muss?
Las im Bett in Richard Sennetts Buch "Der flexible Mensch".
Fiel zum zweiten Mal diese Woche.
1) (vor ein paar Tagen) Hob etwas vom Boden auf und schob dabei den Stuhl beiseite, auf dem ich gerade gesessen hatte. Dann versuchte ich, mich auf eben diesen Stuhl zu setzen, er stand aber nicht mehr da. Landete mit voller Wucht auf dem Boden.
2) (heute) Trug Ls Rollstuhl mit seinem Rucksack die Treppe hinunter und verpasste den letzten Treppenabsatz. Fiel vornüber und prellte mir mein Knie, als ich auf dem harten Steinboden aufkam.
"Sometimes there's so much beauty in the world I feel like I can't take it, like my heart's going to cave in." (Ricky Fitt in "American Beauty")
Freitag, 25. Oktober 2019
Mittwoch, 23. Oktober 2019
Mittwoch
Ich rufe in der Röntgenabteilung des Krankenhauses an und frage, ob ich schon einen Termin für mein cbct-Röntgen bekommen habe, das die Zahnchirurgin für mich angeordnet hat. Als ich sagen will, wann ich in Urlaub fahre, bringe ich die Daten völlig durcheinander. Erst sage ich sie richtig, werde dann unsicher, korrigiere mich, versuche mich zu orientieren. Ich weiß plötzlich nicht einmal, welcher Tag heute ist, fange mich aber dann schnell wieder. Glücklicherweise bekomme ich noch einen Termin für nächste Woche.
Zu P sagte ich vorgestern am Telefon: "Jetzt ist ja bald Sommer".
Eine leichte Unruhe liegt im Raum. Ist was los mit mir?
Ein Nachbar spricht mich durch mein geöffnetes Küchenfenster an. Ob ich auch so viele Silberfischchen in meiner Wohnung habe. Er kann sich vor Silberfischchen gar nicht mehr retten. Er staubsaugt jetzt jeden Tag, aber es reicht nicht. Bei mir sind keine Silberfischchen, sage ich, und im selben Moment fühle ich mich schuldig, als hätte ich soeben gelogen.
Kurze Zeit später möchte er mir noch etwas sagen: Die eine Waschmaschine im Keller klickt beim Waschen, als würde sie sich ständig ein- und ausschalten. Außerdem riecht seine Wäsche komisch. Ich gehe zum Waschkeller und schalte die Waschmaschine probeweise ein, kann aber nichts Außergewöhnliches feststellen. Ich stecke meinen Kopf in die Waschtrommel und schnuppere. Es riecht ganz normal, finde ich.
Manchmal kommt es mir vor, als würde ich mich in einem seltsamen Film befinden. Dazu gehört auch, dass die Nase meines Nachbarn ganz eingepflastert war.
Zu P sagte ich vorgestern am Telefon: "Jetzt ist ja bald Sommer".
Eine leichte Unruhe liegt im Raum. Ist was los mit mir?
Ein Nachbar spricht mich durch mein geöffnetes Küchenfenster an. Ob ich auch so viele Silberfischchen in meiner Wohnung habe. Er kann sich vor Silberfischchen gar nicht mehr retten. Er staubsaugt jetzt jeden Tag, aber es reicht nicht. Bei mir sind keine Silberfischchen, sage ich, und im selben Moment fühle ich mich schuldig, als hätte ich soeben gelogen.
Kurze Zeit später möchte er mir noch etwas sagen: Die eine Waschmaschine im Keller klickt beim Waschen, als würde sie sich ständig ein- und ausschalten. Außerdem riecht seine Wäsche komisch. Ich gehe zum Waschkeller und schalte die Waschmaschine probeweise ein, kann aber nichts Außergewöhnliches feststellen. Ich stecke meinen Kopf in die Waschtrommel und schnuppere. Es riecht ganz normal, finde ich.
Manchmal kommt es mir vor, als würde ich mich in einem seltsamen Film befinden. Dazu gehört auch, dass die Nase meines Nachbarn ganz eingepflastert war.
Dienstag, 22. Oktober 2019
Dienstag
Jeden Morgen schaue ich als Erstes nach, ob Trump immer noch sein Amt ausüben darf. Ein deprimierender Tagesanfang, seit drei Jahren schon.
Aß heute im Ko Thai zu Mittag. Es war wie immer sehr gut. Ich hatte mein Handy zuhause gelassen und mein Buch vergessen und wurde plötzlich mit meiner Rastlosigkeit konfrontiert. Las die Speisekarte dreimal. Schaute aus dem Fenster auf einen großen Parkplatz. Eine Frau mit aufgespritzten Lippen. Ihr Freund, der sie mit einer Hand vor sich herschob. In der anderen hielt er eine Zigarette.
Brachte zuvor endlich die von meiner Küchenrenovierung von vor zwei Jahren übrig gebliebenen Kacheln weg, außerdem einen kleinen Gitarrenverstärker, einen Fahrradhelm, ein paar ausrangierte Brillen.
Sprach mit K am Telefon. Ich versuchte ganz ehrlich zu sein, und sie antwortete auch mit Ehrlichkeit. Wir haben uns verletzbar füreinander gemacht. Sie weiß jetzt, wer ihr Vater war. Leider lebt er seit vier Jahren schon nicht mehr, aber sie fährt zum Jahreswechsel nach Las Palmas, um etwas mehr über ihn herauszufinden.
Habe heute wieder alles schleifen lassen, aber wenigstens ein wenig Griechisch und Portugiesisch gelernt und dann eine Lektion meines Zeichenkurses absolviert. Figuren gezeichnet: geschwungene Linien, Kreise, Eier, freie Formen. Ich zeichnete ein Porträt von Johannes Kepler, benützte meine Erdpigmentfarben und war sehr zufrieden mit dem Resultat.
Holte ein Buch aus der Bibliothek ab. Designing Regenerative Cultures von Daniel Christian Wahl.
Abends ging ich ins Aikido, fühlte mich aber schwach und hungrig. Ich sprach hinterher lange mit J, der jetzt offiziell eine Arbeit als Architekt sucht. Seine Sanftheit und die Geschmeidigkeit in seinem Aikido. Ich mag ihn sehr. Es ist mir unmöglich, mir vorzustellen, dass er jemals wütend wird.
Aß heute im Ko Thai zu Mittag. Es war wie immer sehr gut. Ich hatte mein Handy zuhause gelassen und mein Buch vergessen und wurde plötzlich mit meiner Rastlosigkeit konfrontiert. Las die Speisekarte dreimal. Schaute aus dem Fenster auf einen großen Parkplatz. Eine Frau mit aufgespritzten Lippen. Ihr Freund, der sie mit einer Hand vor sich herschob. In der anderen hielt er eine Zigarette.
Brachte zuvor endlich die von meiner Küchenrenovierung von vor zwei Jahren übrig gebliebenen Kacheln weg, außerdem einen kleinen Gitarrenverstärker, einen Fahrradhelm, ein paar ausrangierte Brillen.
Sprach mit K am Telefon. Ich versuchte ganz ehrlich zu sein, und sie antwortete auch mit Ehrlichkeit. Wir haben uns verletzbar füreinander gemacht. Sie weiß jetzt, wer ihr Vater war. Leider lebt er seit vier Jahren schon nicht mehr, aber sie fährt zum Jahreswechsel nach Las Palmas, um etwas mehr über ihn herauszufinden.
Habe heute wieder alles schleifen lassen, aber wenigstens ein wenig Griechisch und Portugiesisch gelernt und dann eine Lektion meines Zeichenkurses absolviert. Figuren gezeichnet: geschwungene Linien, Kreise, Eier, freie Formen. Ich zeichnete ein Porträt von Johannes Kepler, benützte meine Erdpigmentfarben und war sehr zufrieden mit dem Resultat.
Holte ein Buch aus der Bibliothek ab. Designing Regenerative Cultures von Daniel Christian Wahl.
Abends ging ich ins Aikido, fühlte mich aber schwach und hungrig. Ich sprach hinterher lange mit J, der jetzt offiziell eine Arbeit als Architekt sucht. Seine Sanftheit und die Geschmeidigkeit in seinem Aikido. Ich mag ihn sehr. Es ist mir unmöglich, mir vorzustellen, dass er jemals wütend wird.
Sonntag, 20. Oktober 2019
Sonntag allein
Am Vormittag flickte ich meine alte Levis. Sie hat schon viele Flicken und hat jetzt noch einen bekommen. Hinten war ein neues Loch. Ich nähte ein Stück Stoff von innen dagegen, mit Stichen in Spiralform. Dann veröffentlichte ich ein Bild von meiner geflickten Jeans auf Instagram. Immer wieder schaute ich im Laufe des Tages nach, wie viele Leute ein Herzchen angeklickt haben. Die geflickte Jeans war ein Renner. Jetzt, am Abend habe ich schon fast 50 Herzchen, aus aller Welt. Mein Tageserfolg.
Ich fuhr mit meiner neugeflickten Jeans in die Kunsthalle und schaute mir eine Ausstellung von Michael Rakowitz an (der aus einer irakisch-jüdischen Familie stammt und in New York lebt): The Invisible Enemy Should Not Exist. Als ich in der Buchhandlung ein wenig zerstreut in Büchern blätterte, durchfuhr mich plötzlich eine Einsicht, wie vieles ich nicht getan oder gesagt habe, aus Angst vor der Reaktion (Ablehnung) anderer. Deshalb bin ich auch immer am liebsten alleine gewesen. Um dieser Unruhe/Angst zu entgehen. Mein Leben: ein Resultat meiner Vermeidungsstrategie. Und jetzt kommt mir vor, dass ich endgültig in einer Sackgasse gelandet bin. Ich habe keine Ahnung, was aus mir werden soll.
Ich setzte mich in die Kaffeebar am Möllevångstorget. Eigentlich wollte ich in meinem Buch lesen („The Overstory“), fühlte mich aber rastlos und vom Gespräch am Nachbartisch abgelenkt. Ich konnte partout nicht ausmachen, welche Sprache sie sprachen. Erst dachte ich Italienisch, dann Spanisch. Vielleicht war es Rumänisch. Eine Frau, zwei Männer. Die Männer redeten, die Frau schwieg.
Wieder zuhause, flickte ich noch eine Jeans und hörte einen Podcast. Es ging um das Böse, ein seltsamer, unmoderner Begriff, aber am Ende des Podcasts musste ich eingestehen, dass ich oft bewusst auf die dunklen Impulse in mir höre. Dass ich mein Leben nicht selten mit meiner Arroganz vergifte. Dass ich mich vor mir selber rechtfertige, die Schuld auf andere schiebe, oder ganz einfach die Wahrheit ein wenig frisiere, um so besser dazustehen. Kann ich die Wahrheit sagen? Was passiert, wenn ich es tue?
Ich nahm das Fahrrad und fuhr in den Garten, wo ich mit der Arbeit weitermachte, die ich vor ein paar Tagen angefangen habe: den Efeu beschneiden. Ich kletterte mit der Gartenschere auf eine wacklige Leiter und dachte kurz, wenn mir etwas passiert, findet mich hier niemand. Das Telefon hatte ich bewusst zu Hause gelassen. Die Arbeit tat mir gut. Ich war zufrieden, als ich wieder nach Hause fuhr.
Machte eine Chilipaste, Kochte Spaghetti, aß sie mit Pesto und Vegohack. Dazu gekochter Mangold, noch vom Vorjahr aus dem Gefrierschrank. Trank ein leichtes Budweiser. Beschloss, mich nicht um eine Arbeit zu bewerben, die ich mit ziemlicher Sicherheit sowieso nicht kriegen würde.
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Ich fuhr mit meiner neugeflickten Jeans in die Kunsthalle und schaute mir eine Ausstellung von Michael Rakowitz an (der aus einer irakisch-jüdischen Familie stammt und in New York lebt): The Invisible Enemy Should Not Exist. Als ich in der Buchhandlung ein wenig zerstreut in Büchern blätterte, durchfuhr mich plötzlich eine Einsicht, wie vieles ich nicht getan oder gesagt habe, aus Angst vor der Reaktion (Ablehnung) anderer. Deshalb bin ich auch immer am liebsten alleine gewesen. Um dieser Unruhe/Angst zu entgehen. Mein Leben: ein Resultat meiner Vermeidungsstrategie. Und jetzt kommt mir vor, dass ich endgültig in einer Sackgasse gelandet bin. Ich habe keine Ahnung, was aus mir werden soll.
Ich setzte mich in die Kaffeebar am Möllevångstorget. Eigentlich wollte ich in meinem Buch lesen („The Overstory“), fühlte mich aber rastlos und vom Gespräch am Nachbartisch abgelenkt. Ich konnte partout nicht ausmachen, welche Sprache sie sprachen. Erst dachte ich Italienisch, dann Spanisch. Vielleicht war es Rumänisch. Eine Frau, zwei Männer. Die Männer redeten, die Frau schwieg.
Wieder zuhause, flickte ich noch eine Jeans und hörte einen Podcast. Es ging um das Böse, ein seltsamer, unmoderner Begriff, aber am Ende des Podcasts musste ich eingestehen, dass ich oft bewusst auf die dunklen Impulse in mir höre. Dass ich mein Leben nicht selten mit meiner Arroganz vergifte. Dass ich mich vor mir selber rechtfertige, die Schuld auf andere schiebe, oder ganz einfach die Wahrheit ein wenig frisiere, um so besser dazustehen. Kann ich die Wahrheit sagen? Was passiert, wenn ich es tue?
Ich nahm das Fahrrad und fuhr in den Garten, wo ich mit der Arbeit weitermachte, die ich vor ein paar Tagen angefangen habe: den Efeu beschneiden. Ich kletterte mit der Gartenschere auf eine wacklige Leiter und dachte kurz, wenn mir etwas passiert, findet mich hier niemand. Das Telefon hatte ich bewusst zu Hause gelassen. Die Arbeit tat mir gut. Ich war zufrieden, als ich wieder nach Hause fuhr.
Machte eine Chilipaste, Kochte Spaghetti, aß sie mit Pesto und Vegohack. Dazu gekochter Mangold, noch vom Vorjahr aus dem Gefrierschrank. Trank ein leichtes Budweiser. Beschloss, mich nicht um eine Arbeit zu bewerben, die ich mit ziemlicher Sicherheit sowieso nicht kriegen würde.
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Freitag, 13. September 2019
Alte Tagebücher, wieder gelesen
Du kannst dich nicht an Begriffen festhalten. Sie sind wie ein Turm, der jederzeit in sich zusammenfallen kann. Du kannst dich nicht an einem Selbst festhalten, von dem du glaubst, dass es wünschenswert ist. Das Gleichgewicht meines Lebens beruht auf dem Raum, in dem ich ungestört sein kann. Warum benötigen die meisten anderen diesen Raum scheinbar nicht? Ist mein Versuch, durch das Schreiben zu einer größeren Klarheit zu kommen, der Versuch, mein Scheitern in der bürgerlichen Gesellschaft zu verschleiern? Jeder andere scheint die Füße fester am Boden zu haben. Nur meine eigene Füße wollen nicht haften. Stell keinen Kopf über deinen eigenen, füge deinem Leben nichts Zusätzliches hinzu. Seit Jahren kämpfe ich mit den selben Problemen und scheine nicht voran zu kommen. An einem Tag vermisse ich an meiner Sprache die Ruhe und Ausgeglichenheit, die Weisheit, die ich gerne erreichen möchte. Dann wieder ist sie mir zu wenig ungestüm und wild. Der Weg führt am Rand vorbei, geht nie durch die Mitte. Der Weg droht immer wieder im Nichts zu verlaufen. Nichts Besonderes. Ich sitze am Schreibtisch und höre, wie die Vögel singen.
Er ziehe es vor, sich in Bildern oder in langem Schweigen auszudrücken als Worte zu suchen für das, was er sehe oder denke. Was für Bilder, fragte ich. Es ist mir egal, sagte er. Hauptsache, sie entstehen schnell, so wie ein Frosch von Stein zu Stein hüpft. Das selbe gelte für das Schweigen, das nicht einmal in den Lidschlag eines Menschen hineinpasse. Du hältst also nichts von langer und disziplierter Arbeit, von jahrelangen Bemühungen, an deren Ende der Erfolg steht, fragte ich ihn. Die Bemühungen sind nur ein Schein, sagte er. Das Wesentliche geschieht im Bruchteil einer Sekunde. Die Bemühungen sind leer und voll, wie du willst. Sie sind die Qual, das eigentliche Nichts unseres Lebens. Kannst du diese Leere verstehen? Er schaute mich lange an, aber ich sagte nichts. Ein Vogel landete auf dem Fensterbrett und scharrte mit den Füßen.
(...)
Er ziehe es vor, sich in Bildern oder in langem Schweigen auszudrücken als Worte zu suchen für das, was er sehe oder denke. Was für Bilder, fragte ich. Es ist mir egal, sagte er. Hauptsache, sie entstehen schnell, so wie ein Frosch von Stein zu Stein hüpft. Das selbe gelte für das Schweigen, das nicht einmal in den Lidschlag eines Menschen hineinpasse. Du hältst also nichts von langer und disziplierter Arbeit, von jahrelangen Bemühungen, an deren Ende der Erfolg steht, fragte ich ihn. Die Bemühungen sind nur ein Schein, sagte er. Das Wesentliche geschieht im Bruchteil einer Sekunde. Die Bemühungen sind leer und voll, wie du willst. Sie sind die Qual, das eigentliche Nichts unseres Lebens. Kannst du diese Leere verstehen? Er schaute mich lange an, aber ich sagte nichts. Ein Vogel landete auf dem Fensterbrett und scharrte mit den Füßen.
Ich fragte ihn, ob er gerne reise. Er wand sich ein wenig. Er sei wohl hier und da gewesen. Eigentlich reise er ungern. Der Gedanke, die vertraute Umgebung zu verlassen, erfülle ihn mit Unbehagen, und desto mehr, je älter er werde.
Wenn er der Meinung war, er habe jetzt genug gesagt, stand er auf und ging. Am Anfang fand ich sein Verhalten merkwürdig, unhöflich sogar. Nach einiger Zeit begriff ich, welche Freiheit er mir dadurch schenkte.
(Berlin 1993)
Montag, 18. Dezember 2017
Morgenei
In der Nacht das unmissverständliche Würgen. Hoffe, dass ich in der Dunkelheit nicht hinein trete in die feuchte Masse, gehe auf Zehenspitzen. Als Kind. Der Vater im Schlafanzug, die Mutter im Nachthemd. "Mutti, ich muss brechen!" Ich sollte am nächsten Tag auf dem Schulkonzert spielen. Brahms. Der kalte Fliesenboden auf dem Klo. Das winzige Fenster, hoch angebracht. Es machte mir Angst. Jemand konnte dort hereingeschlüpft kommen. Aber wie soll er denn so hoch kommen? - Ein Mann, immer ein Mann. Er fliegt natürlich, wie Pan Tau. Pan Tau auch unheimlich, obwohl er lächelt.
Die Abfallmänner sind da. Ein missachteter Beruf, und was wären wir ohne sie. Die Illusion der Überlegenheit verschwindet sofort, wenn diese Menschen sich verweigern. Erstickt doch in eurem Müll und Dreck! Wir haben uns daran gewöhnt, als gäbe es keine Alternative.
Der Kaffee, jeden Morgen ein Grund zum Aufstehen. Barfuss in die Küche. Die Katzen erwartungsvoll, wie jeden Tag. Wir gaben ihnen indische Namen und hofften, sie würden so den Frieden im Haus wieder herstellen. Warum wollte S gestern unbedingt sehen, was die Katzen fressen, er studierte die Aufschrift auf dem Futterpaket. Der Kater kam und schnupperte an seinen ausgestreckten Fingern. Katzenmann, aber Angst vor Bindung, Verantwortung. Sein rotflammiges Gesicht, die Magenkugel, eine verwüstete Landschaft sein Körper. Drei Zigaretten in drei Stunden. Hinterher brauchte ich mehrere Stunden Alleinsein. Auf dem Fußboden, eine Decke über mich gezogen.
Jetzt geht die Tinte aus, ich muss nachfüllen. Snob. Goldfeder. Schreibbuch. Morgen ein neues Schreibbuch kaufen. Schon wieder ein Jahr vorbei. Zeitlosigkeit und Endlichkeit in einem. Unbegreiflich, die Zeit. Die Katzen versuchen es nicht, der Mensch kann nicht anders. Zählbarkeit. Als junger Mensch wollte ich die Welt auf den Kopf stellen, lehnte mich auf gegen das Zählbare, das Geordnete. Jede Generation begeht ihre Irrtümer. Wir kommen nicht darum herum, über unsere Irrtümer zu reden, sie auf den Tisch zu legen.
Die Katzen haben sich schon wieder hingelegt und schlafen. Es ist eine Art Schlaf, aber die Ohren immer aufgestellt, reagieren beim kleinsten Laut. Ich hörte den Stuhl gestern knacken, nahm es aber in Kauf, hinderte ihn nicht am Kippeln. Vielleicht war es überhaupt er, von Anfang an. Eines Tages war die Lehne angeknackst, ich versuchte, sie notdürftig zu flicken, mit einem Metallbügel, den ich im Werkzeugregal fand. Ich müsste dort aufräumen. Und das Bücherregel. Abstauben. Trug gestern wieder Sachen auf den Speicher. Wenn ich sterbe? Es gibt keine Kontinuität. Vergehen wie eine Pflanze, ins Meer gespült wie ein Sandkorn.
Die Abfallmänner sind da. Ein missachteter Beruf, und was wären wir ohne sie. Die Illusion der Überlegenheit verschwindet sofort, wenn diese Menschen sich verweigern. Erstickt doch in eurem Müll und Dreck! Wir haben uns daran gewöhnt, als gäbe es keine Alternative.
Der Kaffee, jeden Morgen ein Grund zum Aufstehen. Barfuss in die Küche. Die Katzen erwartungsvoll, wie jeden Tag. Wir gaben ihnen indische Namen und hofften, sie würden so den Frieden im Haus wieder herstellen. Warum wollte S gestern unbedingt sehen, was die Katzen fressen, er studierte die Aufschrift auf dem Futterpaket. Der Kater kam und schnupperte an seinen ausgestreckten Fingern. Katzenmann, aber Angst vor Bindung, Verantwortung. Sein rotflammiges Gesicht, die Magenkugel, eine verwüstete Landschaft sein Körper. Drei Zigaretten in drei Stunden. Hinterher brauchte ich mehrere Stunden Alleinsein. Auf dem Fußboden, eine Decke über mich gezogen.
Jetzt geht die Tinte aus, ich muss nachfüllen. Snob. Goldfeder. Schreibbuch. Morgen ein neues Schreibbuch kaufen. Schon wieder ein Jahr vorbei. Zeitlosigkeit und Endlichkeit in einem. Unbegreiflich, die Zeit. Die Katzen versuchen es nicht, der Mensch kann nicht anders. Zählbarkeit. Als junger Mensch wollte ich die Welt auf den Kopf stellen, lehnte mich auf gegen das Zählbare, das Geordnete. Jede Generation begeht ihre Irrtümer. Wir kommen nicht darum herum, über unsere Irrtümer zu reden, sie auf den Tisch zu legen.
Die Katzen haben sich schon wieder hingelegt und schlafen. Es ist eine Art Schlaf, aber die Ohren immer aufgestellt, reagieren beim kleinsten Laut. Ich hörte den Stuhl gestern knacken, nahm es aber in Kauf, hinderte ihn nicht am Kippeln. Vielleicht war es überhaupt er, von Anfang an. Eines Tages war die Lehne angeknackst, ich versuchte, sie notdürftig zu flicken, mit einem Metallbügel, den ich im Werkzeugregal fand. Ich müsste dort aufräumen. Und das Bücherregel. Abstauben. Trug gestern wieder Sachen auf den Speicher. Wenn ich sterbe? Es gibt keine Kontinuität. Vergehen wie eine Pflanze, ins Meer gespült wie ein Sandkorn.
Mittwoch, 8. November 2017
Kurz notiert
Im arabischen Restaurang sitzt sie an einem kleinen Tisch und trinkt ein Glas süßen Tee, während das Essen in der Küche und hinter der Theke zubereitet wird. Neben ihr spricht ein Mann auf arabisch in sein Handy. Vor ihm steht auch ein Glas mit Tee. Er lächelt ihr zu.
Sie fühlt sich wohl hier, würde gerne länger hier sitzen bleiben, Tee trinken, in dieser Stille, dieser Konzentration. Drei Personen arbeiten jetzt für sie. Es ist Ernst in den Bewegungen, eine Würde, etwas Aufrechtes. Es fällt ihr auf, dass keiner hier spricht, oder wenn, dann mit leiser Stimme. Einer schichtet Styroporbehälter in eine Plastiktüte, legt eine Tüte mit Fladenbroten daneben.
Man lässt sie in Ruhe ihren Tee austrinken, dann kommt der Jüngste von ihnen, der eine schwarze Jeans und ein weißes Hemd trägt, und deutet auf die Tüten.
Ist das mein Essen, fragt sie und lacht, und er lacht auch und nickt.
Aufs Fahrrad steigen. Die Plastiktüten an den Lenker hängen. Der kurze Augenblick der Ausgelassenheit. Das Leben ist einen Moment lang gut. Mehr erwartet sie nicht.
***
Der junge Physiotherapeut drückt einen Ball in seine verkrümmten Hände. Er macht eine Grimasse, zeigt die Zähne, fällt mit einem Plumps zurück auf die Behandlungsliege. Der Physiotherapeut feuert ihn an. Du bist jetzt fünf Meter gegangen, ohne Gleitstrumpf, und obwohl du dich in einer Stress-Situation befindest. Das ist nicht übel, darauf kannst du schon stolz sein. Er malt ihm aus, dass er in der Wohnung kleine Strecken hinter sich legen kann. Zu welchem Zweck, denkt sie. Er kann nichts in die Hand nehmen, sich die Hose nicht selber aufknöpfen oder gar hinunterziehen. Er kann keine Karotte schneiden, kein Brot schmieren, keine Tasse Tee einschenken, keinen Teller in die Geschirrspülmaschine stellen.
Der Raum ist fensterlos, aber hell erleuchtet. Überall stehen oder sitzen Menschen an Geräten und machen ihre Übungen. Manchen ist nichts anzumerken, wenn sie durch den Raum gehen, andere bewegen sich schlurfend, langsam, unsicher. Ein junger Mann in einer engen Jeans macht Übungen, die seine Knie stärken sollen. Er lässt das eine Bein nach vorne gleiten, auf einer Gleitplatte. Dann lässt er es zur Seite gleiten. Der Physiotherapeut steht daneben und schaut ihm mit ernsten Augen zu.
Er ist der Einzige mit einem Rollstuhl. Neugierige und mitfühlende und einschätzende Blicke folgen ihm, als er mühsam Schritt um Schritt macht, das hilflose Bein nachziehend.
***
Sie nimmt die Thermohose vom Haken. Den Reißverschluss der Hosenbeine bis zur Hälfte öffnen. Irgendjemand muss diese Arbeit machen, warum also nicht ich. Die Hosenbeine über die hilflosen Beine ziehen. Den Fuß anheben. Diese Nähe, ohne Intimität, ohne Gefühl. Ich kenne seinen Geruch, das Gefühl seiner Haut unter meinen Händen, ich kenne ihn nackt, ich habe ihn berührt, alle Stellen seines Körpers, und doch ist da nichts, nur Sachlichkeit, die Notwendigkeit des Augenblicks. Er friert so leicht.
***
Andauernd sind ihre Ohren aufgesperrt. Jederzeit kann er etwas wollen, etwas brauchen. Ein Glas Sprudelwasser bitte. Kannst du nachschauen, ob Post für mich da ist? Manchmal erklärt er Dinge unnötig genau. Als wüsste sie nicht, wie man eine Adresse auf einen Umschlag schreibt. Dann wieder schickt er sie los, Wein kaufen. Du kannst selbst entscheiden, welchen. Er muss nur zum Lamm passen. Sie fühlt sich, als hätte sie einen wichtigen Auftrag bekommen.
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