Am Abend setze ich mich, um noch etwas zu schreiben, aber ich gebe nach einigen Zeilen auf.
"Ich bin nur wenige Wochen alt und blinzle ins Licht, das durch unser Wohnzimmerfenster hereinfällt. Mein Onkel hält mich behutsam auf seinem Arm, neben ihm steht seine hochschwangere Frau. Sie denkt, während sie uns ansieht, vielleicht an das Kind, das sie selber erwartet, und in ihm sieht sie den zukünftigen Vater dieses Kindes. Ich habe das Foto schon so oft betrachtet, dass es kein Gefühl mehr in mir hervorruft. Mein Onkel ist tot, das Kind auf seinem Arm gibt es nicht mehr. Was wir für eine Erinnerung halten, ist nur ein Wiederaufguss von etwas, das wir schon so oft wiederholt haben, dass es all sein Leben, all seine Kraft verloren hat."
"Ich stehe vor unserem Haus, ein Mietshaus aus den 60er Jahren. Es ist ein sonniger Frühlingstag. Ich habe einen Kreisel bekommen und versuche ihn zum Kreiseln zu bringen, aber es gelingt mir nicht. Mein Vater hat ihn mir geschenkt, weil er ihn an seine Kindheit erinnerte. Hat mein Vater mir später gezeigt, wie man den Kreisel zum Kreiseln bringt, hat er ihn selber zum Kreiseln gebracht? Ich weiß es nicht mehr."
[Meine Mutter erzählt mir am Telefon, dass der Bruder meines Vaters ein Bild des Elends ist. Er sitzt in einem Rollstuhl unter einer Decke und kann nur eine Hand bewegen. Man kann ihn kaum verstehen, wenn er sich bemüht zu sprechen. 'Aber er hat sich gefreut, uns zu sehen. Und das Heim, in dem er wohnt, ist sehr schön.']
"Sometimes there's so much beauty in the world I feel like I can't take it, like my heart's going to cave in." (Ricky Fitt in "American Beauty")
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Schlüsselthema
Als ich den Schlüssel ins Schloss stecke, lässt er sich nicht umdrehen. Unausgesprochen schwebt in diesem Augenblick die Vermutung im Treppenaufgang, dass ich vielleicht nicht in der Lage bin, einen Schlüssel richtig im Schloss umzudrehen oder dass meine Art und Weise, den Schlüssel ins Schloss zu stecken und umzudrehen, dazu geführt hat, dass das Schloss kaputt gegangen ist. Die zwei Personen in meiner Begleitung sind nicht in der Lage, mir bei meinen Versuchen zur Seite zu gehen, die eine, weil sie gelähmt, die andere, weil sie blind ist. Der Schlüsseldienst diagnostiziert schließlich, dass ein Sandkörnchen in das Schloss geraten ist (das sich übrigens schon lange nur schwer bedienen ließ, wie ich später höre). Die Stunden des Wartens im Treppenaufgang erscheinen jedenfalls wie eine Bestätigung des Schlüsselthemas, das sich durch meine gesamte letzte Woche gezogen hat (verlegte, scheinbar verloren gegangene Schlüssel, in Verwahrung genommene Schlüssel, stundenlanges Suchen nach Schlüsseln, nicht funktionierende Generalschlüssel, mirakulöses Auftauchen von Schlüsseln an Orten, an denen ich bereits gesucht hatte etc. etc.).
Samstag, 11. Oktober 2014
Der Tag der Ordnung
Heute war es frühmorgens wieder mal an der Zeit, schlaflos im Bett zu liegen, mit großen Augen und einem Gehirn auf Hochtouren.
Ansonsten war es ein Tag, an dem ich beschloss, endlich Ordnung zu schaffen in meinem Leben, teils dadurch, dass ich keine Neuzugänge mehr dulde und teils dadurch, dass ich das bereits Vorhandene in ein System bringe.
(Dass mir der Computer abstürzte, nachdem ich den Beschluss gefasst hatte, verschaffte mir auf jeden Fall einen sauberen Neuanfang.)
Dann war Arbeitstag auf unserem Hinterhof. Mit Spaten, Heckenscheren, Besen, Unkrautessig und Löwenzahnstecher sowie mit Putzlappen und Schrubber machten wir uns an die Arbeit, entfernten seltsame Pflanzen und Taubendreck sowie alles, was sonst noch so herumstand und nicht offensichtlich gebraucht wurde.
Leuchtbirnen wurden eingeschraubt, Speicherabteile markiert, Sommermöbel weggeschlossen, Holzdecks abgespritzt und tote Büsche ausgegraben.
Der Tag endete harmonisch, mit Familienpizza und dem Plan, im Frühjahr auf dem Hof ein ganzes Lamm zu grillen.
Einen Metallschrott-Sammler konnten wir auch glücklich machen, mit dem alten Gestänge eines Gartenzelts und einer Pizzaschnitte.
Ansonsten war es ein Tag, an dem ich beschloss, endlich Ordnung zu schaffen in meinem Leben, teils dadurch, dass ich keine Neuzugänge mehr dulde und teils dadurch, dass ich das bereits Vorhandene in ein System bringe.
(Dass mir der Computer abstürzte, nachdem ich den Beschluss gefasst hatte, verschaffte mir auf jeden Fall einen sauberen Neuanfang.)
Dann war Arbeitstag auf unserem Hinterhof. Mit Spaten, Heckenscheren, Besen, Unkrautessig und Löwenzahnstecher sowie mit Putzlappen und Schrubber machten wir uns an die Arbeit, entfernten seltsame Pflanzen und Taubendreck sowie alles, was sonst noch so herumstand und nicht offensichtlich gebraucht wurde.
Leuchtbirnen wurden eingeschraubt, Speicherabteile markiert, Sommermöbel weggeschlossen, Holzdecks abgespritzt und tote Büsche ausgegraben.
Der Tag endete harmonisch, mit Familienpizza und dem Plan, im Frühjahr auf dem Hof ein ganzes Lamm zu grillen.
Einen Metallschrott-Sammler konnten wir auch glücklich machen, mit dem alten Gestänge eines Gartenzelts und einer Pizzaschnitte.
Sonntag, 7. September 2014
Die Tage häufen sich
In letzter Zeit häufen sich wieder einmal die Tage, an denen ich mir wünsche ich könnte so schreiben (und hätte so geschrieben) wie andere, die so schreiben (und geschrieben haben), wie ich gern schreiben würde. Dieser Wunsch (= dieses Neidgefühl) ist so aussichtslos und so innig, dass ich manchmal nicht weiß, wie ich mit ihm weiterleben soll.
Once you make a decision, the universe conspires to make it happen.
/Ralph Waldo Emerson
Once you make a decision, the universe conspires to make it happen.
/Ralph Waldo Emerson
Freitag, 5. September 2014
Der Abschied fällt schwer
Ich träume in der Nacht, dass sie (E) an mir vorübergeht und meinen Arm in der Höhe des Ellenbogens drückt, ein wenig länger als man das vielleicht tun würde für einen flüchtigen wortlosen Gruß, so dass ich dem Druck ihrer Hand im Traum eine Bedeutung gebe und auch nach dem Aufwachen noch, ihn außerdem sogar den ganzen Tag über körperlich spüren kann, in einem träumerischen Wachzustand.
Samstag, 14. Juni 2014
Griechische Splitter 2014
Mit der Hitze leben, nicht gegen sie.
In den Nächten liege ich oft stundenlang wach, schweissgebadet, und frage mich, ob es mir jemals gelingt, ein Leben zu leben, das mich nicht in den Nächten stundenlang wachliegen lässt.
Ich kämpfe gegen den Schmerz in meinem Herzen an, mache die "Schildkrötenmeditation", ziehe mich in eine schützende Schale zurück, versuche es jedenfalls.
Stosse mir den Zeh an den Felsen blutig, verliere in der Mittagshitze das Gleichgewicht, als ich mit dem Fahrrad die Strasse überqueren will, laufe dann mit Gaze-Kompressen, mit wasserfestem Pflaster herum, trage desinfizierendes Puder und Verbandszeug in meiner Handtasche mit mir. Das Knie hat mir schon in den ersten Tagen weh getan. Die Schulter auch. Der Fuss.
"Adapt with grace to any situation."
Die Tage sind kurz, aber die Zeit ist trotzdem lang. Manchmal schlafe ich besser und stehe am Morgen auf, setze mich in die Morgenbrise, unter den Olivenbaum. Abends wird die Temperatur auch erträglicher, am Strand, und hier auf dem Hügel, mit dem Blick auf den Ort.
Die Lektion, die ich in Griechenland lerne: mische dich nicht überall ein. Akzeptiere die Unvollkommenheit und lebe lieber, mit einem freigiebigen Herzen.
Donnerstag, 8. Mai 2014
Darjeeling Limited
[Nachdem ich den Film gesehen hatte, dachte ich, dass ich ein "Darjeeling Limited"-Leben leben möchte. Dann fiel mir auf, dass ich eigentlich bereits ein "Darjeeling Limited"-Leben lebe, dass ich also nur so weitermachen muss.]
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