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Sonntag, 6. Januar 2013

Das Haus, in dem ich wohne

Meine Nachbarn sind u.a.: ein Grieche, von dem ich nicht weiß, was er hier macht, der aber häufig laut griechische Musik hört und immer freundlich lacht, wenn ich ihm begegne, eine Russin Mitte Vierzig mit gefärbtem Haar, die eigentlich Violonistin ist, aber gerade hier lebt, um sich um ihre alte und kranke Mutter zu kümmern, eine serbische Großfamilie, die vor kurzem Nachwuchs bekommen hat. Hier wohnt auch Rasmus, der dänische Lehrer, der im Sommer mit dem Motorrad zum Nordkap fährt. Mein alleinstehender finnischer Nachbar hat einen großen Nasenring und zwei kleine entzückende Kinder, Wand an Wand mit mir wohnt eine Chinesin, die in Kopenhagen arbeitet und seit einiger Zeit mit ihrer 17jährigen Tochter zusammenlebt, die aus China gekommen ist, wo sie lange Zeit bei den Großeltern gewohnt hat. Es gibt auch Schweden hier, z.B. Jenny, die früher mal Gymnasiallehrerin war, dann aber versucht hat Schriftstellerin zu werden und jetzt gerade bei Starbucks am Flughafen Kopenhagen arbeitet, wo sie offensichtlich Karriere macht. Im Keller spielen ein paar alte Männer fast jeden Tag Billard, und der Ire Barry hat dort eine Fahrradwerkstatt, in der er die Fahrräder aller Hausbewohner umsonst repariert. Meine Katzen können über eine selbstgebaute Katzentreppe in den Hof, und wenn die alten Billardmänner vorüberlaufen, dann reden sie ein paar nette Worte mit ihnen.

Montag, 28. September 2009

I love you


Neulich auf der Galerienacht in Malmö: Eine Frau, ganz in schwarz gekleidet, hochhackige Schuhe, enges Jackett, steht dicht an eine große Glasscheibe gedrängt in einem rot ausgemalten Raum (es riecht noch nach frischer Farbe). Die Glasscheibe wird nur vom Körper der Frau aufrecht gehalten. Würde die Frau weggehen, würde die Glasscheibe zu Boden fallen. Frau und Glasscheibe in einem intimen vierstündigen Tanz. Mit kleinen angestrengten Schritten schiebt und schleppt sie die Glasscheibe über den Boden der Galerie. Hin und wieder flüstert sie ein innerliches "I love you" gegen die Scheibe. Im Spiegel dieser Glasscheibe können die Augen der Künstlerin und der Betrachterin sich kurz treffen. Die Künstlerin heißt Melati Suryodarmo und ihre Performance ist das Eindrücklichste, was ich auf der diesjährigen Galerienacht in Malmö gesehen habe.

Sonntag, 9. September 2007

21:08

Mein kariertes Leben.

"Everything must have a name" (David Shrigley, Malmö Konsthall)

Es fällt mir schwer, die Dinge und Ereignisse zu benennen.

Ich sage: "Alles wird leichter." (Weil ich weniger Zeit zum denken habe.)

Es scheint die Sonne. Ich gehe durch die Stadt.

"Fühlst du dich hier wohl?" "Manchmal."

Ich träume: ich bin im Zug, auf dem Weg irgendwohin, ich öffne das Fenster, es schlägt mir eine eisige Kälte entgegen, eine Winterkälte, die es in meinem Leben nicht mehr gibt, und von der mir plötzlich bewusst wird, wie sie mir fehlt. (Eine Kälte, die einem den Atem nimmt.)

Ich schlafe gut, ich erinnere mich kaum.

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...