Ich tippe ganz einfach drauf los und weiß nicht, was als Nächstes kommt. Wie wenn man am Abend im Dunkeln an einem fremden Ort ankommt, und am Morgen geht man los und hat keine Ahnung, was einen erwartet. Aber die Angst, die Unruhe, die Schwere vor dem Schreiben ist nicht mit dem Gefühl der frohen Erwartung zu vergleichen, das man hat, wenn man ein Hotel am Morgen verlässt. Das Schreiben ist immer mit Angst verbunden, mit Unruhe, mit Schwere, und gleichzeitig scheint das Schreiben in der Lage, die Angst, die Unruhe, die Schwere zu vertreiben oder in etwas anderes zu verwandeln. Es ist leichter, einen Fuß vor den anderen zu setzen, als die Finger auf der Tastatur loszulassen. Es gibt jedoch beim Schreiben einen Moment, in dem Angst, Unruhe, Schwere umschlagen in ein Gefühl der Neugierde, des Absorbiertseins, es ist vielleicht die Freude am Spiel, der Wunsch, einem Gedanken zu folgen, ihn weiterzuspinnen.
In den Nächten wache ich auf und bin überrascht von meinen Träumen, nehme mir vor, mich an sie zu erinnern, aber oft überdauern sie die Nacht nicht, und wenn ich am Morgen aufstehe, mit dem üblichen Gefühl der Unruhe, der Angst und der Schwere (auch wenn ich sie nicht wahrhaben will), wenn ich die Gardinen zurückschiebe und hinausschaue, wenn ich zum Herd gehe, den Espressokocher vorbereite, den Katzen Futter gebe, dann versuche ich vergeblich, das Traumgefühl eine Weile länger bei mir zu behalten.
Ich denke manchmal, mein Leben wäre so einfach, wenn ich auch im Wachzustand in der Lage wäre zu träumen, wenn ich mein Unterbewusstsein ganz einfach loslassen könnte, ihm dabei folgen, wie es Bilder und Geschichten hervorbringt, die immer etwas Wesentliches zu beinhalten scheinen, irgendeine Essenz, eine Wahrheit. Gestern sagte ich zu jemandem, von all den hunderten von Seiten, die ich geschrieben habe, ist etwa 99,9% Müll, und ich sollte es wegwerfen, aber ich bin nicht in der Lage dazu, weil ich immer noch hoffe, dass ich eines Tages, wenn ich diese Seiten durchblättere, doch etwas finden werde, was ich vielleicht übersehen habe.
Immer wieder habe ich drauflos getippt, mich dabei selber getäuscht, habe den wunden Punkt nicht gefunden, habe mich zerstreuen, ablenken, verwirren, verführen lassen, habe versucht, der Angst, der Unruhe, der Schwere zu entfliehen, sie zu verleugnen. Ich weiß nicht, wie viel vom Schreiben Talent ist. Das ist vielleicht, als würde man fragen, ob es ein Talent zum Leben gibt. Ich wünsche mir manchmal, dass mir das passiert, was man hin und wieder irgendwo lesen oder hören kann. Dass man vom Schreiben ergriffen wird, dass es stattfindet, ohne dass man sich einmischen muss, dass einem die Worte von irgendwoher diktiert werden.
Ich schreibe das, weil mich gestern jemand gefragt hat, ob ich einen Traum habe. Es fiel mir schwer, darauf zu antworten, weil ich es erst nicht zugeben wollte, dass ich den Traum vom Schreiben habe.
"Sometimes there's so much beauty in the world I feel like I can't take it, like my heart's going to cave in." (Ricky Fitt in "American Beauty")
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Sonntag, 24. November 2013
Samstag, 28. Juli 2007
Landkarte
about 'mattering maps':
Lawrence Grossberg assumes that when people construct their value system they do so not only by identifying the things that matter to them, but also by integrating these things into a matrix of meaningful relations and differences. They draw up a 'mattering map', which forms a structure of meaning, but, since it is saturated with afffect, it is also a structure of pleasure.
"Dass alles, was ich mir vornehme, damit enden soll, dass gar nichts übrig bleibt, weil ich alles auf dem Weg wieder vernichtet habe, aus Angst, dass es nicht gut genug ist, nicht wahr genug, aus Angst mich zu entblößen, aus Angst, dass andere über meine Leere erschrecken könnten."
Eine Stelle, die ich im Jahr 1993 in "Die Theorie des Schönen in Japan" anstrich:
(Das Konzept von yûgen)
"Yû, der erste Bestandteil des Wortes yûgen, bezeichnet normalerweise Schwachheit oder Schattenhaftigkeit in dem Sinne, dass es die durch-sich-selbst-existierende Solidität der Existenz eigentlich negiert oder Nicht-Stofflichkeit andeutet bzw., etwas genauer, die verfeinerte Qualität physischer Körperlichkeit in der Dimension der empirischen Wirklichkeit. Gen, der zweite Bestandteil des Wortes, bedeutet Trübheit, Dunkelheit oder Schwärze. Es ist eine durch unergründliche Tiefe verursachte Dunkelheit, so tief, dass unser physisches Augenlicht unmöglich bis auf den Grund gelangen kann, d.h. es ist die Dunkelheit in der Region der unbekannten Tiefe."
Lawrence Grossberg assumes that when people construct their value system they do so not only by identifying the things that matter to them, but also by integrating these things into a matrix of meaningful relations and differences. They draw up a 'mattering map', which forms a structure of meaning, but, since it is saturated with afffect, it is also a structure of pleasure.
"Dass alles, was ich mir vornehme, damit enden soll, dass gar nichts übrig bleibt, weil ich alles auf dem Weg wieder vernichtet habe, aus Angst, dass es nicht gut genug ist, nicht wahr genug, aus Angst mich zu entblößen, aus Angst, dass andere über meine Leere erschrecken könnten."
Eine Stelle, die ich im Jahr 1993 in "Die Theorie des Schönen in Japan" anstrich:
(Das Konzept von yûgen)
"Yû, der erste Bestandteil des Wortes yûgen, bezeichnet normalerweise Schwachheit oder Schattenhaftigkeit in dem Sinne, dass es die durch-sich-selbst-existierende Solidität der Existenz eigentlich negiert oder Nicht-Stofflichkeit andeutet bzw., etwas genauer, die verfeinerte Qualität physischer Körperlichkeit in der Dimension der empirischen Wirklichkeit. Gen, der zweite Bestandteil des Wortes, bedeutet Trübheit, Dunkelheit oder Schwärze. Es ist eine durch unergründliche Tiefe verursachte Dunkelheit, so tief, dass unser physisches Augenlicht unmöglich bis auf den Grund gelangen kann, d.h. es ist die Dunkelheit in der Region der unbekannten Tiefe."
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