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Mittwoch, 17. November 2010

3 katzenalpträume

blick aus meinem fenster in r
1 hinter der waschmaschine unter einem haufen waschpulver grub ich L hervor. sie sah wie tot aus, schlug aber schließlich die augen auf und schaute mich vorwurfsvoll an (ich war viel zu lange weggewesen und hatte mich nicht darum gekümmert, dass jemand zum füttern vorbeikam), und von den anderen katzen begegnete mir nur T, abgemagert und distanziert.

2 meine mutter erzählte mir, L habe sich alle vier beine gebrochen,  und sie sei mit ihr zur tierärztin gegangen. diese habe gesagt, sie könne L schon wieder hinkriegen, aber sie könne ihr auch den "gnadenschuss" geben, um zwölf uhr, dann wäre es gleich vorbei und sie müsste nicht leiden. meine mutter hatte abgewägt, dass es wohl besser sei, das tier töten zu lassen und erzählte mir das mit gleichmut in der stimme. es war fünf nach zwölf, und ich schrie meine mutter verzweifelt an.

3 eine kleine rote katze, die noch nicht lang genug bei uns war, um an uns gewöhnt zu sein, entkam ins freie, und ich lief hinterher und fing sie wieder ein. dann stand ich vor verschlossener glastür und machte meinem bruder ein zeichen, er solle mich mit der katze hineinlassen. mein bruder ließ sich anmerken, dass er genervt von mir war und ließ sich viel zeit mit dem öffnen der tür. warum er sich so viel zeit gelassen habe, fragte ich aufgebracht, du hast doch gesehen, dass ich hinein will. er sagte, weißt du eigentlich, wie du aussiehst? (er meinte damit, verzerrt, irgendwie unmenschlich und hässlich)

(nach jedem traum wachte ich auf, um erleichtert einzusehen, dass ich bloß geträumt hatte)

Donnerstag, 4. März 2010

Besuch in der Tierklinik

Die Metalljalousien des Shops werden hochgezogen. Es ist noch so früh am Morgen. Ich sitze auf einem der lindgrünen Stühle, die fest im Boden verschraubt sind, meine Katze in einer Transportbox aus Plastik neben mir auf einem niedrigen Tisch. Eine Frau kommt mit einem Papagei in einer Tragetasche mit Tarnmuster und Netzfenster vorbei. Ein Mann stürmt aufgeregt herein, läuft zur Rezeption und meldet einen Akutfall, eine Bahre wird schnell hinausgefahren, ein schwer atmender Chowchow hereingerollt, dem die Zunge aus dem Maul hängt.

Katzen können auch Blut spenden, lese ich auf einem Bildschirm.

Hundebesitzerin, rote Jacke, kommt herein und zieht eine Wartenummer. Aus dem Kaffeeautomaten kommt ein Strahl heißer Kaffee mit Kaffeesahne. Ich setze mich wieder und trinke. „Nisse“, ruft die junge Frau an der Rezeption, aber Nisse ist samt Besitzer verschwunden. Ein Geruch von Desinfektion. Eine rosa Stuhlreihe an der linken Stellwand, die den Wartebereich vom Shop trennt.

The Original Boster FOR YOUR ACTIVE BUDDY!

Man sieht einen Dackel in Sportjäckchen auf einem Felsen stehen, entschlossener Blick in die Ferne, im Hintergrund Natur, Wasser, Grün.

Wir behandeln rund um die Uhr akute Fälle.

Ein junges Paar, beide mit Rastafrisur, Nasenringen, vor ihnen eine Katzenbox auf dem Boden. Er öffnet die Deckenklappe, um von oben zu seiner Katze hineinzuschauen und mit ihr zu reden. All diese Menschen, die sich um ihre Tiere kümmern, Geld für sie ausgeben, Zeit für sie opfern.

Fluoreszierendes Halsband für den Hund, mit Blinklicht.

Die automatischen Türen öffnen sich, und ein Mann ohne Tier kommt herein, der stehen bleibt und gleich seinen Geldbeutel öffnet. Die Frau mit der roten Jacke geht, ohne Hund, sie hat nur das Hundehalsband dabei, das in ihrer rechten Hand baumelt. Ein Hund mit Wuschelkopf, so dass man die Augen gar nicht sieht, kommt mit seiner Besitzerin.

Auf dem Bildschirm sieht man jetzt ein Kaninchen an der Leine, das mit der Nase wackelt.

Darf man denn die schönen Augen nicht sehen, sagt ein Mann zu der Frau mit dem Wuschelhund, als diese sich gesetzt hat. Es ist komisch, aber sie sieht trotzdem gut, sagt die Frau. Sie sitzen nebeneinander, ein paar Plätze voneinander entfernt. Ich glaube, das liegt daran, dass sie eine so gute Nase hat, sagt der Mann, dann schweigen sie und schauen vor sich hin.

Der Papagei wird in seiner Tarntasche wieder hinausgetragen.

Sie können eine Mehrfachkarte für das Training in unserem Wasserbecken kaufen oder das Becken an den Abenden und am Wochenende mieten.

Der Name meiner Katze wird aufgerufen, ich nehme die Transportbox und gehe zur Rezeption.

Dienstag, 11. September 2007

Elstern

Eine Elster hackt in einem Café auf einem liegengelassenen Ciabatta herum.

Ich lasse die Katze auf dem Zaun balancieren, aber sie kommt aus dem Gleichgewicht und fällt auf der falschen Seite hinunter.

Meine Mutter ruft an und sagt, sie hat es satt, auf meinen Vater Rücksicht zu nehmen.

Ich bin zu müde, um mich auszuruhen.

Dienstag, 4. September 2007

Stehen

Ich stehe am Schreibtisch (linker Fuß auf rechtem, der fast das ganze Gewicht meines Körpers trägt, linker Oberschenkel leicht gegen die Schublade des Schreibtischs gelehnt), bereit, schnell diesen Platz wieder zu verlassen und woanders hinzugehen.

In der Sonne saß ich und las, und die Katze saß im Gebüsch, ganz aufmerksam und entspannt und ohne jedes Urteil.

Wenn ich die Ohren öffne, dann höre ich die Stille der Welt.

Ich möchte keine Fähigkeiten mehr lernen. Ich möchte akzeptieren lernen, was ist.

Charlotte Selver:
It's not what you think should be,
but what is, that is interesting.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Schreibtisch

Auf dem Schreibtisch: 1 Glas Pelikan Tinte blauschwarz, 1 CD-Kompilation "In a dream I spoke with Aphrodite", 1 Ansichtskarte aus der Bayerwaldklinik, 1 Buch "Meditation", Bhagavan Ramana Answers, Karteikarten mit Briefauszügen von CF Hill, 1 Kopie von Eugen Bleuer: Dementia Praecox oder Die Gruppe der Schizophrenen 1911, 1 Duden Wörterbuch der deutschen Sprache, 2 Tampons, 1 Kazoo, 1 Opinel Taschenmesser, 1 Tube mit Salsy-Vase 2%, 1 Schere, 1 Mail vom LCB Berlin, 1 Ausdruck vom Programm der Nordic School of Butoh, 1 Mappe mit 2 beschriebenen Blättern, 1 Bruno K. Öijer: Samlade Dikter, 1 staedtler marsmatic700, 1 Notizbuch mit Liste der gelesenen Bücher 2007 (unvollendet), 1 Prospekt Malmö Konsthall: William Kentridge, 31.5.-19.8.2007.

"Ein Paranoider beklagt sich während einer längeren klinischen Vorstellung beständig über die Verfolgungen, sitzt aber sehr gemütlich in nonchalanter Haltung da. Gefragt, ob er denn die Halluzinationen für Wirklichkeit halte, sagt er mit Achselzucken: "Vielleicht sind sie krankhaft, vielleicht Wirklichkeit"; die Frage interessiert ihn offenbar gar nicht. Dass ältere Paranoide mit der größten Seelenruhe erzählen, wie sie in der Nacht geschunden, gebrannt worden seien, wie man ihnen die Eingeweide herausgeschnitten habe, ist etwas Allbekanntes." (E. Bleuler, 1911)

StubenDrama
Katze: T (gestreift)
Katze: B (schwarz)
Schmetterling 1 + 2, um ihr Leben kämpfend
Schmetterling 1 + 2, ihr Leben hingebend

{und ich schau nicht hin, wenn der Raubtiercharakter meiner Hausgenossen sich offenbart}

Montag, 16. Juli 2007

Wenn

Ich denke: Wäre ich in einem fernsehlosen alten Schulhaus auf dem Land aufgewachsen, mit einem Traumforscher als Onkel, einem Papiertheaterregisseur als Vater und einer Katze als Spielkamerad, hätte auch aus mir etwas werden können.

Ich denke: Ich würde gern eine Konversation auf Deutsch mit ihr führen. Ich würde gern im Bus neben ihr das Gleichgewicht verlieren.

Sonntag Nacht um 1:48 wird auf dem Platz vor meinem Fenster immer noch Fußball gespielt. (Das trug ich mit schwarzer Tinte in mein Moleskine-Notizbuch ein.)

Herzblüte schlägt aus, als am Telefon jemand in meiner Kindheitssprache antwortet.

Plötzlich fällt mir auf, dass ich mich völlig im Tag geirrt habe, dass heute nichts stattindet, dass mir ein vollkommen ereignisloser Tag zur Verfügung steht.

"The summer demands and takes away too much." John Ashbery

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...