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Dienstag, 13. Mai 2008

In Ketten

Eine sehr langweilige Arbeit kettet mich am Schreibtisch fest, während draußen Kinder storchenbeinig mit Rollschuhen auf dem sonnigen Platz im Kreis herumfahren und ein gelb gekleideter Mensch mit einer sehr großen Maschine und einem über die Ohren gestülpten roten Gehörschutz den Rasen mäht. Auf dem Hinterhof spielen einige Roma unter lautem Rufen ein Spiel mit Münzen. Die Katzen schlafen. Am Küchentisch lese ich "Into the Wild", während ich Naturreis, Linsen und Rote-Bete-Salat esse. Mehr ist heute von mir nicht zu erwarten. Ich trage meine Arbeitsbrille.

Mittwoch, 19. März 2008

Into the Wild

1. Begebe mich in mein eigenes inneres Alaska. Es hat die Form eines schwarzen Buchs, das ich mit kritzeligen, verschmierten Buchstaben fülle.

2. Blutspende: Man fragt mich, ob ich in den Monaten seit der letzten Blutspende den Sexpartner gewechselt habe (nein), ob ich Drogen genommen habe (nein), ob ich einen Malaria-Anfall gehabt habe (nein), ob ich mich habe piercen lassen (nein), ob ich Medikamente genommen habe (ja, Kopfschmerztabletten). Ich bekomme zur Belohnung ein pflaumenfarbenes T-Shirt, auf dem zwei Tomaten auf einem Zebrastreifen zu sehen sind, die eine davon zerquetscht und "blutend" (darunter steht: "Shirt happens")

3. Nach fünf Stunden Schlaf: Erst kippt mir das Milchtöpfchen um, so dass die Milch über meinen Pulli und auf den Teppich schwappt, dann stoße ich beim Aufwischen an die Espressokanne, deren Inhalt sich über den Herd ergießt. Ich gehe nach ausgiebigem Fluchen ohne Kaffee aus dem Haus, und dann verweigert mir der Geldautomat die Auszahlung.

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...