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Dienstag, 17. März 2015

Das grüne Hemd

So erzählte er es mir:

"Mein Vater wurde im selben Grab begraben wie mein Großvater. Ich bin für das Grab zuständig und als ich dort eines Tages ein wenig herumharkte, wurden Knochen ausgeworfen."

Er nahm einen Armknochen des Großvaters nach Hause, wurde aber von seiner Frau gescholten, er solle ihn wieder zurückbringen und vergraben, was er auch tat.

Bei einer anderen Gelegenheit grub er einen grünen Stofffetzen hervor, an dem eine Knopfleiste zu sehen war. Er wusste, dass der Großvater gewünscht hatte, in seinem grünen Hemd begraben zu werden, da es ihm viel bedeutet hatte. Er dachte an den Ausdruck "das letzte Hemd hergeben" und es kam ihm plötzlich so vor, als wolle der Großvater ihm etwas mitteilen.

Auch den Hemdfetzen nahm er in seinem Friedhofseimer mit nach Hause, seine Frau bat ihn aber, diesen zu verbrennen, was er dann ebenfalls tat.

Freitag, 17. September 2010

Letzter Tag in Berlin


5:00 ist meine Aufwachzeit (M: "5 Uhr, das ist doch die Zeit, wo die Mönche aufstehen. Ja du bist ja so eine Mönchin.")

8:57 Frühstück mit M, die sich einen Apfel achtelt und dabei erzählt, wie sie gestern einen kleinen Jungen ermuntert hat, den Tonbatzen kräftig durchzuwalken. Er hatte ganz schwache Hände, konnte gar nicht richtig zupacken. "Komisch, dass die Leute immer Töpfern mit Therapie verwechseln", sagt sie.

9:55 bin ich auf dem Weg zum Prenzlauer Berg, mit den neuen (zweifach eingesprühten) Clarks. Meine Lektorin trägt Leningrad Cowboys Schuhe und hat noch Restschnupfen, isst eine hessische Bratwurstpfanne und empfiehlt mir nicht, mit dem Schreiben aufzuhören.

Leningrad Cowboys Schuhe
16:10 Ich blicke in die Küche des Sankt Oberhof, wo gerade unter großem Hallo die neue Salatlieferung begutachtet wird. Der Mann hinter der Theke singt aus vollem Hals. Gestern hat er mit seinem Großvater telefoniert, erzählte er vor einer Weile seiner Kollegin, der Großvater sei so traurig gewesen, und das habe ihn auch so traurig gemacht.

16:33 Ich kaufe mir beinah ein T-Shirt mit der Aufschrift "I think of you all the time".

17:52 Um ein Kilo Darjeeling Tee schwerer werde ich morgen Berlin verlassen. Übrigens: nach den Fensterputzern und den Jongleuren sind jetzt fahnenschwingende Mädchen der neueste Trend an roten Berliner Ampeln. Ob sich diese Arbeit rentiert? Ironie des Schicksals: B kann mich heute abend nicht ins Kino begleiten, weil sie keinen Babysitter bekommt, und F kann mich nicht begleiten, weil er babysitten muss.

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...