Freitag, 12. Juli 2013

Traumcouch

Am Ende dieses Tages fällt mir überhaupt nichts ein, womit ich diesen Tag zusammenfassen könnte.

Ich träumte von einer Couch, für die ich in meiner Wohnung den richtigen Platz suchte, und als ich aufwachte, fiel mir auf, dass die Couch die Farben der schwedischen Flagge hatte. Das gab mir zu denken.

Montag, 24. Juni 2013

Der Erste. (Die Erste.)



Wo zwei Atem sich berühren, zwei Windzüge, zwei Energiefelder. (Sie sagen, das Erste, was du brauchst, ist ein Name! Aber sobald ich den Namen habe, ist die Welt schon ein bisschen kleiner, überschaubar geworden, aufgeteilt in kleine Stückchen Ich-Welt.)

(Es gab Namen, sie waren aber schlangenförmig und sich windend und entwindend, entschlüpfend.)

Immer wieder aufs Neue die Überraschung: was Menschen-möglich ist, berührt.

Geh jetzt, einen Schritt vor den anderen. Es ist ja ein frischer, reingewaschener Tag, der funkelt vor dem Fenster, vor dem Auge.

Immer wieder geht es um Bewusstsein, um das, was wir daraus basteln, unsere Sicherheiten, die abgesteckten Grenzen, ein scheinbarer Zusammenhang, zusammenfaltbar, verstaubar, einfache Raumlösungen.

Samstag, 22. Juni 2013

17/4/93 (vor zwanzig jahren schrieb ich)

als könnte man also sich umdrehen und immer-fort-wischen, in einer rund-um-bewegung, WIE EIN STILLER UND ERNSTER BERG - es war eine Wanderung / Tausendfache Trippelschritte Grotten durchfurchte Steine, Drachengrotten, meine Hundefelljacke,

(Jetzt bin ich nicht mehr dort / jetzt sehe ich, was ich unterließ) Jetzt ist ein Jahr abgestorben, sogar die Erinnerung, die ein Schatz sein sollte.

querdurch-sich-schreibend / tag und nacht jahre um jahre / räume und länder / ein anfang und ende erhastend / in der größten Unordnung / wirklichkeits-schreiben / erinnerungs-gehacktes / ein verweilen auf den rändern /

so schreibt er: vielleicht wird man alt
so schreibt sie: ganz sicher wird man alt

es sind verlorene blicke / die frauen tragen ein tuch in den händen / clutching / das feuchtnasse taschentuch / kurz bevor der kopf / in müdigkeit traurigkeit / herabfällt / sich dreht und wendet / ein ungelenkes vornüber-beugen / blicke fallen vorbei an all dem sichtbaren / glasblicke / in rotbraun / todweiß

der atem hastet . raubfremde dächer . luftschutz . mein begleiter . wenn ich (ohne zu nennen) einfach spreche . es beim wort nehme . das randgetrübte . rückwärts ohne zu schauen . mit siebenmeilenstiefeln . kopfentleerend . stein um stein . die weiße warme landschaft . geknittertes . während ich verliere und um mich streue . lebengeschichte gewichte . diese wanderung der raubflug . die raubfahrt . tausend jahre .

er nahm mich , HANDWARM , wie sein name war , eine verschlungene kalligraphie //

Reise in China - im traum verlor ich . ein rattern . durchsichtig, augengesichtige zeit : plötzliches aufschrecken nachts " als ich etwas durchstöberte , in der hoffnung , zu finden, eine zarte geschichte , eine lebenssicherheit.

baozi
jiaozi
longsheng
guilin
liuzhou

da er es vor mich hinblätterte - glanzpapier - erbrochenes -

warum gibt es eine zeit / die nicht fest wird / schlamschlabberig dahin welkt / geht

Donnerstag, 6. Juni 2013

"Was mich an K störte"


Meine Mutter sagte, was mich K. störte, war, dass er so egoistisch war. Wenn wir einen Ausflug machten und er zwei Schnitzel dabei hatte für unser gemeinsames Picknick, ein kleines und ein großes, dann gab er mir automatisch das kleinere. Er hätte ja wenigstens fragen können, anstandshalber! Und als ich dann euren Vater kennengelernt hatte, passte K. mich eines Tages auf dem Weg von der Arbeit ab und fragte, und, glaubst du, dass du jetzt glücklicher wirst? Und ich sagte, ich weiß es nicht.

Eine Weile hatte ich dann zwei Freunde, sagte sie. Als ich mit deinem Vater über den anderen sprach, sagte er nur, den werden wir auch noch los. Diese Frechheit! Dieses völlig ungetrübte Selbstbewusstsein. Diese Sicherheit, dass ich bei ihm bleiben würde, dass wir bereits zusammengehörten.


Ein Schnitzel

Montag, 8. April 2013

Die Sache mit dem Tod

Die Sache mit dem Tod erschien mir heute plötzlich so verdammt selbstverständlich, so natürlich, ich meine, anders als sonst, wo ich die Selbstverständlichkeit zwar herbeidenken, aber nicht fühlen kann.


Das ganze Leben über sammelt man Tote.


Und außerdem sammelt man Menschen, die zwar nicht tot sind, aber trotzdem aus unserem Leben verschwunden.

Es gibt keine Möglichkeit mehr, mit ihnen zu sprechen, ihnen auch nur etwas Belangloses mitzuteilen, sie anzuschauen, ihnen in die Augen zu sehen.

Wenn einer dieser Menschen einem dann (nach vielen Jahren vielleicht) irgendwann einmal zufällig über den Weg läuft, dann ist die Begegnung oft schmerzhafter als die Abwesenheit. Der Mensch, den es einmal gegeben hat, gibt es nicht mehr, selbst die Erinnerungen werden plötzlich fragwürdig.

Samstag, 6. April 2013

Dauergäste

Ich sprach von den verschiedenen Personen in mir.

Es gibt z.B. eine Person, die offen ist und entspannt und neugierig und schön, die gut riecht, die ihrem Leben einen Sinn verleiht. Es gibt andere Personen in mir, die diese Person nicht respektieren. Aber auch sie wollen nur mein Bestes. Sie wollen mich in die richtige Richtung schubsen, mich fordern, mir etwas abfordern. Sie glauben, dass etwas in mir steckt, sie geben mir einen Tritt in den Hintern.

Es gibt eine Person in mir, die danach dürstet, geliebt zu werden, grenzenlos, vorbehaltlos. So unendlich groß ist ihr Liebesdurst. Er ist völlig unstillbar. Wenn diese Person etwas bekommt, dann will sie gleich mehr davon. Diese Person scannt ihre Umgebung nach Zeichen für Zuneigung ab. Sie sehnt sich nach Zuneigung, fürchtet aber auch Zeichen von Zuneigung, weil diese Zuneigung nicht ausreichen wird oder weil die Zuneigung gefährdet ist, weil sie ihr wieder entzogen werden könnte. Diese Person glaubt hin und wieder (oder ist das eine weitere, eine andere Person?), dass sie sich Zuneigung verdienen muss. Dass sie nicht ausreicht, dass sie nicht verdient hat, dass man sie mag.

Es gibt eine weitere Person. Sie ist am liebsten allein. Sie ist vielleicht identisch mit der liebessüchtigen Person. Denn das Alleinsein schenkt Sicherheit. Wenn man allein ist, ist man nicht gefährdet, zurückgewiesen zu werden. Einsamkeit ist ein Ort der Träume, ein Ort der Möglichkeiten. Diese Person fürchtet das Materialisieren von Gedanken und Gefühlen in Worten. Sie beharrt auf der Unübersetzbarkeit von Gedanken und Gefühlen in Worte. Sie fürchtet sich davor, ihre Ideen in einem Zusammenhang auf ihre Haltbarkeit hin überprüfen.

Es gibt noch weitere, vielleicht unzählige. Ich sagte, ich verspreche, dass ich in der nächsten Zeit ein wenig aufmerksamer sein werde. Ich werde den Lautesten, den Aufdringlichsten ein wenig besser zuhören, damit ich weiß, was ihr Wunsch ist, auf welche Weise sie versuchen, mir zu helfen.

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...