Montag, 11. Juli 2011

Mittwoch, 6. Juli 2011

Als lebte ich nur im Traum

Träumte, ich war in einem Boot auf freier See, froh und frei, und reagierte erst nach einer Weile darauf, dass ich weder Ruder noch Segel hatte. Es gelang mir jedoch mich zu retten (mich an einer Wand hochzuziehen), und ich landete in der provisorischen Behausung eines freundlichen Mannes (er kam aus Polen, ist das wichtig?), der mich fragte, ob ich vielleicht Kaffee wollte.

Dienstag, 28. Juni 2011

Erzähle es!



auf links gedreht
 
"Es gibt nichts zu erzählen. Erzähle es!"

"Ich muss mich selber rückwärts lesen. (Mein Leben wie ein auf links gedrehter Pullover.)"


At times, the universe is pregnant by me,
at times I give birth to it.
The milestone in my life
is the nowhereness,
I don't fit anywhere else.
...This is me:
a rogue and a drunkard,
easy to spot
in the tavern of Lovers.
I am the one shouting hey ha. ~Rumi

Samstag, 25. Juni 2011

Ich erinnere mich, bloß warum ausgerechnet daran

outi heiskanen: on the ferry, 1976
Ich erinnere mich an die Fähre, meinen Strohhut, der davonsegelte. Ich erinnere mich an den Schnee, an einen Akkordeonspieler vor dem Eingang der U-Bahn, ich erinnere mich, dass ich rannte. Ich erinnere mich, dass mein Gesichtsausdruck auf den Fotos, die aus dem Schlitz des Fotoautoaten kamen, mich erschreckte. Ich erinnere mich an lange Schlangen auf dem Postamt, an mein apathisches Warten. Ich erinnere mich an den Vormittag, an dem ich durch das Schneetreiben lief, treppauf, treppab. Ich kaufte mir eine kratzige, handgestrickte Wollmütze. Ich erinnere mich, dass ich sehr viel weinte. Ich erinnere mich an das Eichhörnchen vor dem Fenster, grau, an die Männer, die an einem Frühlingstag einen Baum fällten. Ich erinnere mich an meinen Versuch, all dem einen Sinn zu geben, an den Balkon, auf dem ich stand und rauchte. An einem sonnigen Wintertag, an einem verregneten Herbsttag, an einem kühlen Frühlingstag. Der Vorortszug, in dem die Menschen sich drängten. Ich erinnere mich an das Mädchen, das sich, eingeklemmt zwischen den anderen Passagieren, versuchte zu schminken. Ich erinnere mich an die Lautsprecherdurchsage, die uns vor dem Glatteis auf dem Gleis zu warnen versuchte. Ich erinnere mich an Cafés, in denen die Zimtschnecken so groß waren, dass sie über den Tellerrand hingen. Ich erinnere mich daran, wie wir eingehüllt in Decken auf der Veranda eines Cafés in der ersten Frühlingssonne saßen und in hohen Teegläser rührten. Ich erinnere mich an Stühle, die in Bäumen hingen, an ein riesiges Nest aus Zweigen, in das ich mich hineinlegen konnte, zusammengerollt wie eine Katze. Ich erinnere mich an Spaziergänge auf dem Eis, an Ausflüge mit den Skiern noch im April, an die lange Kette von Menschen, die ständig über das Meer lief. Ich erinnere mich an das Zimmer, so klein, dass ich das Geschirr in dem kleinen Waschbecken auf der Toilette spülte und dann auf dem Klodeckel zum Trocknen ablegte. Ich erinnere mich an Geräusche aus der Nachbarwohnung, zwei Liebende, deren Liebeslaute bis lang in den Vormittag hinein in meine Wohnung drangen und in alles, was ich zu schreiben versuchte.

Montag, 20. Juni 2011

Drei Tagesbilder



Es wird allmählich dunkel vor dem Fenster,
und ich suche in meinem Gedächtnis nach drei Bildern,
mit denen ich diesen Tag zusammenfassen kann:

Dein hellgelber Sommerrock am frühen Morgen.
Die Möwen im Sturzflug vor dem Fenster
(und davor die Freundin auf dem Sofa, lachend, weinend, dann wieder lachend).
Die mit Dingen vollgestopfte Wohnung der Toten.

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...