Freitag, 5. Dezember 2008

Heute

Was ich heute angestellt habe, bevor ich endlich am Schreibtisch gelandet bin (u nun der Blog als Höhle, in der ich mich verstecke):
Ich frühstückte, spülte ab, las in einer alten Lettre Gedichte von Derek Walcott und Les Murray.
Bestellte Bücher von Richard Sennett, von dem ich in der Online-Ausgabe des SZ-Magazins ein Interview gelesen habe.
Ich spielte auf dem Akkordeon ein paar Stücke und schaute dabei den Handwerkern zu, die vor dem Fenster die Balkonbrüstung anmontierten.
Ich warf der Katze ein paar Trockenfutterstücke zu. Das ist ihr Lieblingsspiel, und sie dankte mir mit freudigen Quietschlauten.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Eigentlich nichts

Wie man darüber schreibt?
Wie man die Wörter wieder findet?
Sich nicht andauernd Fluchtwege ausdenkt?

Dienstag, 4. November 2008

Katzenritual am Morgen

Das Aufstehritual: sobald die Katzen hören, dass ich wach werde, kommen sie in mein Zimmer getrippelt und legen sich am Fuss der Leiter hin, die zu meinem Hochbett führt. Und wenn ich die Leiter herunter klettere, dann bedeuten sie mir mit grossem Nachdruck, dass meine wichtigste Aufgabe darin besteht, ihnen sofort ihr Futter zu geben.
Was ich auch tue...
(Übrigens habe ich heute nacht geschlafen, und der graue Novembertag sieht gleich viel besser aus.)

Montag, 3. November 2008

Mein schlafloses Leben



Ich liege im Bett mit Augen, die so groß sind wie Untertassen.
Jemand hat blaues Plastik vor mein Fenster geklebt. Meine Aussicht auf die Welt ist verschwommen, und es wird nie richtig Tag.
Und in den Nächten finde ich keinen Schlaf.
Ich gehe in die Küche, wärme mir Milch, löse Honig darin auf, ich lege mich wieder ins Bett, lege mir die Hände auf die Augen, dann auf den Bauch.
In meinem Kopf findet eine Art Jahrhundertschlacht statt. Manchmal bleiben die Gedanken stehen, und dann wandere ich in einer Art Wüste herum.
Ich weiß nicht, wann das Ganze angefangen hat. Ich glaube, es ist ein Hinweis für mich, dass ich mein Leben irgendwie ändern muss. Bloß wie.

Dienstag, 30. September 2008

Grund fürs Schweigen

Meine Blog-Abwesenheit ist dadurch erklärlich, dass ich mit mir selber einen Pakt geschlossen habe: am 31.12. will ich nämlich mein Buchmanuskript vor mir auf dem Schreibtisch liegen haben. Ich werde mit der Hand drüber streicheln und ein wenig von meinem weißen Tee nippen. Dann werde ich das Manuskript in einen Briefumschlag stecken und wegschicken. Wohin? Na, das ist noch die Frage / das Geheimnis. Achso, ja, und am 3.1. steige ich dann in den Flieger nach Indien.

Sonntag, 3. August 2008

Heißer Tag


Seit eineinhalb Stunden versuche ich etwas zu schreiben, aber ich muss jetzt einsehen, dass ich zu müde dafür bin. Den ganzen Tag war es so heiß, dass ich mich neben ein dunkles Kellerloch setzte, aus dem kühle Luft strömte. Die Insekten sahen gegen den blauen Himmel aus wie unzählige schwirrende Lichtpunkte. Ein Flugzeug flog über den Himmel und hinterließ einen scharfen weißen Streifen, der allmählich verschwamm und undeutlicher wurde. Ich ging im Garten umher, um herauszufinden, welcher Schatten kühler war als die anderen, und dann zog ich mit meinem Stuhl dorthin um. Den ganzen Tag strengte ich mich an, um ein Buch zu lesen, in dem ein namenloser Krieg beschrieben wurde. Ich las etwa dreißig Seiten, während ich im Garten von einem Schatten zum nächsten zog, und jetzt kann ich mich an keine einzige Einzelheit erinnern. Nach einigen Seiten begriff ich, dass das ganze Buch aus einem Satz bestehen würde, und das erfüllte mich mit einer solchen Ungeduld, dass ich nicht weiterlesen konnte. Ich wartete auf den Abend und darauf, dass es kühler würde. Ich trank eine Tasse Kaffee, fegte den Gartenweg und dichtete die Fenster des Hauses mit Hilfe von Handtüchern und Decken gegen die Hitze ab. Weil ich nichts von von dem tun konnte, was ich mir vorgenommen hatte, redete ich mir ein, dass ich mir meine Kraft für den Abend aufhob. Wenn es kühler würde, könnte ich weiterlesen, ich könnte vielleicht sogar schreiben. Jetzt ist es Abend, und es strömt kühle Luft durch das geöffnete Fenster in das Haus, aber mein Kampf gegen die Hitze hat mich so erschöpft, dass ich nicht länger wach bleiben kann. Jeden Tag verbringe ich mit einem ähnlich sinnlosen Kampf. Heute war es die Hitze, an anderen Tagen gibt es andere Widrigkeiten, gegen die ich ankämpfen muss und die mich am Ende des Tages leer und erschöpft zurücklassen, ohne dass ich tagsüber zu dem gekommen wäre, wofür ich zu leben glaube.

Sonntag, 20. Juli 2008

Lost In Life (Mein 1-Satz-Leben)


21.6. In keiner Nacht kann ich länger schlafen als 6 Stunden.
22.6. Ersehnte Reise nach Griechenland, aber alles macht mich gereizt.
23.6. P. kann nicht schlafen, wenn der Ventilator an ist, ich kann nicht schlafen, wenn der Ventilator aus ist.
24.6. Später zurück in der nachtdunklen Plaka finde ich den Weg zum Hotel nicht mehr und habe auch vergessen, wie es heißt.
25.6. Ich träumte, dass es fürchterlich warm war, dann wachte ich auf, und es war fürchterlich warm.
26.6. "Aber wie auch immer, er hatte keine Reisen gemacht, und das lag ihm wie ein schwarzer Stein auf der Seele." (Julio Cortazàr: Rayuela)
27.6. Aus reinem Protest nehme ich die Kamera nicht aus der Tasche, um dieses wunderbare Panorama, dieses unglaublich blaue Wasser zu fotografieren.
28.6. Ich träumte von einem Tier, von Menschen aufgezogen, das nun groß geworden war und seiner Natur näher und wild und Furcht einflößend.
29.6. Am Strand von Skala Eressou versuchen fünf junge Männer eine Umkleidekabine tiefer in den Sand einzugraben, aber der Sand, den sie wegschaufeln, rutscht immer wieder nach, und schließlich fällt die Schwingtür der Umkleidekabine aus den Angeln, so dass die jungen Männer sich nach einigen vergeblichen Versuchen hilflos lachend im Sand wälzen.
30.6. H. findet es fürchterlich, wie Häuser gebaut sind zum Beispiel, sagt sie, der Eingang sitzt immer auf der falschen Seite, und dass man erst hinein und dann wieder hinaus gehen muss.
1.7. Und ich, die ich keinen Beruf hatte, weil alle meine Bestrebungen immer dahin gegangen waren, das zu vermeiden.
4.7. Sie (U.!) packte ihren alten, zerfransten Führerschein aus, zog ihn aus der Geldbörse und faltete ihn auseinander, wie ein feuchter Lappen hing er zwischen Daumen und Zeigerfinger.
6.7. Schreib auch die halben Gedanken auf, das Unklare.
7.7. Weil ich in einem früheren Leben die Herrin über eine Kornkammer war, sagte sie, und Menschen verhungern ließ, ist es meine Aufgabe jetzt, sie zu nähren, und ich fürchte ständig, sie könnten nicht genug bekommen.
8.7. Der Hund mit der amputierten Vorderpfote an der Strandpromenade von Mytilini.
9.7. "Und, was willst du?" "Ich weiß nicht, was ich will."
10.7. Ein paar alte Leute am Straßenrand auf Stühlen sitzend, ein Junge, der mit einem Mountainbike die Stufen im Dorf hinabfährt, eine junge Frau mit einem bunten Putzeimer in einem Hinterhof zwischen verfallenen, zerbröckelten, eingestürzten Häusern, zwei gelangweilte Bedienungen auf Barhockern, ein griechischer Café kostet 1 Euro.
11.7. Am Ortseingang (es gibt ungefähr fünf davon) sitzt ein Empfangskomittee von alten Frauen auf Stühlen und ausrangierten Bussitzen, strickend, häkelnd, oder nichts tuend und missmutig vor sich hinstarrend.
12.7. Die alten Frauen gehen in die Kirche und beten, und die alten Frauen werfen den Katzen Käserinden und Brotstücke hin.
13.7. Je mehr hungrige Katzen sie füttert, desto mehr tauchen auf, halb blinde, staubige, trächtige, spindeldürre, verängstigte, und in den Nächten träume ich von den Katzen, ich träume, dass ich einen kleinen seidenweichen Pelzball in den Armen halte, und dann wache ich auf.
14.7. Ein "Urlaub" ist künstlich begrenzte Zeit (es gibt keinen Anfang und kein Ende, wir bilden es uns nur ein).

Lesbos 13/12 2021

Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...