"Sometimes there's so much beauty in the world I feel like I can't take it, like my heart's going to cave in." (Ricky Fitt in "American Beauty")
Freitag, 27. Januar 2017
5 Sätze (Flaschenpost aus dem Alltag)
Mittwoch, 4. Januar 2017
Alltag im Neuen Jahr
Dienstag, 13. September 2016
Warten auf den Bus
Die Fahrt dauert etwa eine halbe Stunde, während der ich einen großen Teil dieses Textes in mein Tablet tippe.
Montag, 5. September 2016
Skizzen zu einer Generation
Freiheit, sagte sie, war das Einzige, das für uns eine Rolle spielte. Von nichts wollten wir uns fangen lassen. Von keinem Beruf, keinem Ort, keinem Menschen, keiner Idee. Wir wollten uns nie in eine Schublade stecken lassen, wollten jederzeit aufbrechen können, uns neu definieren, von einem Tag auf den anderen unser Leben ändern, als hätte es das vorherige nicht gegeben.
Wir dachten lange, es sei unsere eigene Entscheidung, wir hielten uns für einzigartig, aber irgendwann ging uns auf, dass wir nur einer von vielen waren. Es war eine Massenverweigerung, oder ein Massenversuch. Wir wollten nie alt werden, nicht einmal erwachsen. Wir glaubten, dass wir ewig jung bleiben könnten. Aber es wurden uns auch keine Angebote zum Erwachsenwerden gemacht. Früh redete man uns ein, dass es zu viele von uns gab, dass es keinen Platz gab für uns, dass wir uns die meisten Berufe abschminken könnten, weil kein Bedarf für uns bestand. Die, die ein paar Jahre jünger waren, verstanden, dass sie besser sein müssten als andere, um Erfolg zu haben, aber wir waren noch erfüllt von einem Gerechtigkeitspathos, dem Unwillen, uns vorzudrängen. In der Schule ließen wir den Nachbarn in der Matheklausur abschreiben, an der Uni machten wir Gruppenreferate, und wir suchten uns immer Themen aus, die so wenig wie möglich mit beruflichen Möglichkeiten zu tun hatten. Wir wollten uns in der dünnen Luft der Freiheit einrichten, behaupteten, nicht viel zum Leben zu brauchen. Wir hatten kaum genug für uns selber, geschweige denn für die Gründung einer Familie. Geheiratet wurde nur heimlich und unter vollkommenem Verzicht auf jegliche Feierlichkeiten. Am liebsten in der Alltagskleidung, kurz nach der Arbeit, oder in der Mittagpause, und die einzigen geladenen Gäste waren die Trauzeugen auf dem Standesamt. Miteinander geschlafen hatte man schon jahrelang, vielleicht sogar ein Kind gezeugt. Man unterschrieb ein Papier, bezahlte fortan weniger Steuern und bildete sich ein, dass man so tun könnte, als hätte sich nichts geändert. Man könnte sich jederzeit wieder trennen. "Bis der Tod euch scheidet" war lachhaft, aber vor allem beängstigend.
Unsere Eltern hatten sich den Wohlstand hart erarbeitet, und wir setzten unseren Stolz daran, keinen Wohlstand zu brauchen. Es war selbstverständlich für uns, dass wir trotzdem alles hatten, was wir brauchten.
Das, worin unsere Eltern ihre Erfüllung gefunden hatten, die Stabilität der Familie, die finanzielle Sicherheit, die Regelmäßigkeit des Tagesablaufs, erschien uns schlimmer als ein Gefängnis, ein lebendiger Tod, ein dumpfes Ausharren in Kompromissen, ein geistiges und gefühlsmäßiges Koma. Wir wollten uns ausschöpfen, so weit wie möglich. Wir wollten unsere Grenzen entdecken, spüren, dass wir lebten. Es fehlte uns ein grundlegendes Vertrauen in uns selber, wir waren misstrauisch gegenüber Deutschland, gegenüber jeder Art von Anständigkeit und Ordnung. Wir widmeten uns dem Körper, der Arbeit an unserem Körper. Wir entdeckten den Körper, die Signale, die er uns sandte, seine Versteifungen und Blockaden. Über den Körper wollten wir uns selber befreien. Ein Wort trat in unser Leben, dem wir sehr viel Aufmerksamkeit schenkten. Wir wollten "spüren", wie es uns ging. Statt einfach darüber hinweg zu gehen, wollten wir dem gegenüber aufmerksam sein, was in uns lebendig war.
Sonntag, 4. September 2016
Wieder mal ein Traum
Es war zwar schön, dass mein Vater noch lebte, dass es ihm so viel besser ging als das letzte Mal, als ich ihn sah, aber der Gedanke, ich müsse seinen Tod jetzt noch einmal erleben, machte mir gleich wieder Angst.
Den Leiterwagen hinter mir herziehend, ging ich nun durch die Gänge des Krankenhauses. Ich begegnete einer jungen Frau, die ich kannte, wir redeten eine Weile, und ich fühlte ständig nach, ob die Kreditkarte noch in meiner Gesäßtasche sei, ob sie mir nicht herausgefallen sei, brachte es aber nicht fertig, sie irgendwo anders hinzustecken.
Der Traum war vielleicht eine Reaktion auf meinen Wunsch, mein Leben von nutzlosem Besitz zu befreien, Dinge loszulassen, wegzugeben. Auch in meinem wirklichen Leben tauchen an unerwarteten Ecken und Enden neue Dinge auf, die ich schon ganz vergessen hatte, und ich weiß nicht, was ich mit ihnen anstellen soll. Gestern sortierte ich die Schubladen unserer Kommode im Gartenhaus aus, ich fand massenweise Stoffservietten, vielleicht zwanzig oder sogar dreißig, davon solche, die wir wir nie benützt hatten, die ich nicht einmal gesehen hatte. Außerdem gehäkelte Deckchen, Vorhänge, die zu keinem unserer Fenster passen, fadenscheinige Handtücher, die schon ganz durchsichtig sind, wenn man sie gegen das Licht hält. Als ich sie in die Papiertüte steckte (die ich zu diesem Zweck reparierte), nahm ich schon die Auseinandersetzung mit P vorweg, ihr Argument, dass man nicht etwas wegwirft, das noch gut ist, ihre Klage, dass ich übertreibe (z.B. mit der Anzahl der Servietten, dem erbarmungswürdigen Zustand der Handtücher).
In unserem Leben spielen die Fahrradanhänger eine große Rolle, mit denen wir ständig Dinge hin-und hertransportieren. Es ist deshalb nicht seltsam, dass ich im Traum einen kleinen Leiterwagen hinter mir herzog.
Was die Kreditkarte meines Vaters bedeuten sollte (und meine Angst, sie zu verlieren), ist mir jedoch nicht klar.
Freitag, 20. Mai 2016
Die Übereinkunft
Frans und ich haben eine Übereinkunft getroffen. Nicht dass wir darüber gesprochen hätten. Es war, was man eine schweigende Übereinkunft nennt. Wir teilen unser Leben, aber wir haben nie miteinander zu tun, nicht physisch jedenfalls. Ich meine nicht das Körperliche, dass wir uns berührten, einander nahe kommen, dass wir uns in der Leidenschaft verlieren, einander hingeben. Diese Art der Begegnung gehört schon lange der Vergangenheit an, was Frans und mich betrifft. Was ich meine: Seit ein paar Jahren haben wir uns nicht gesehen, außer hin und wieder flüchtig und im Vorübergehen. Und trotzdem, so würde ich sagen, teilen wir ein Leben, wir haben zarte Gefühle füreinander, wir vermissen einander, schicken einander kleine Botschaften, sogar Liebesbeteuerungen. Wir sind ganz einfach zu dem Schluss gekommen, dass es uns besser geht, wenn wir uns nicht zu nahe sind, und das war nicht das Ergebnis von langen Diskussionen oder einem Entschluss. Es war so, wurde so, es ergab sich so, wir haben es nie erwähnt, und doch leben wir danach.
Donnerstag, 19. Mai 2016
Stimmungstagebuch, vielleicht
13:06
Meine immer schwarz gekleidete Kollegin S. steht mit einem Kaffeebecher vor meinem Schreibtisch und sagt, dass sie eigentlich gegen allgemeine Geldeinsammlungen für Hochzeiten und Geburten ist. Sie redet eine Weile darum herum, bis sie es auf den Punkt bringt: sie lehnt die "Normativität" an, die in dieser Geste liegt.
14:03
Ein paar Meter von mir entfernt stehen zwei Kollegen im Gespräch. Sie unterhalten sich über Spanien. Eigentlich höre ich nur die Stimme des einen Kollegen, etwas schleppend und einschläfernd, langatmig alle Fakten und Ansichten reproduzierend, die er über Spanien in sich angesammelt hat. Die Kollegin bekräftigt seine Auslegungen mit eingeworfenen "Ahs" und "Hms", sie stellt manchmal eine höfliche Folgefrage, und sein eintöniges Reden fährt fort. "Du bist ja ein wahres Lexikon", höre ich meine Kollegin sagen, und ziehe daraus den Schluss, dass sie dabei ist, das Gespräch zu beenden.
Lesbos 13/12 2021
Am Morgen wachte ich zum Plätschern des Regens auf. Machte mir Kaffee, schmierte mir Brote, packte eine Portion gesalzene Oliven in den Ruck...
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Ich widmete mich heute meinem neuen Projekt, der Ablichtung der Stadt mithilfe der miserablen Kamera in meinem Handy. Das Wetter war auch sc...
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Wusste bis soeben nicht, dass Schubert diesen Spitznamen trug (wegen "seiner Hässlichkeit, seiner niedrigen Herkunft und seines Mangels...
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Wie ich mit den Katzenkratz-Stellen im weißen Fußbodenlack umgehen sollte, war übrigens ein mentales Dauerthema der letzten Monate/Wochen...